Teilen
Teilen


Am 7. November 2025 fand die Herbstvollversammlung des Diözesanpastoralrats im Bistum Regensburg statt. Ein zentrales Thema der Sitzung war die aktuelle Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) aus dem Jahr 2023 sowie die Bedeutung dieser Ergebnisse für die Zukunft des Bistums. Darüber hinaus wurde das überarbeitete Statut für die Pfarrgemeinderäte vorgestellt und erste Erfahrungen damit ausgetauscht.
1700 Jahre Konzil von Nizäa
In seinen einführenden Worten ging Bischof Dr. Rudolf Voderholzer auf das Jubiläum „1700 Jahre Konzil von Nizäa“ ein und berichtete, dass eine eigene Ikone dazu für das Bistum geschrieben worden sei, die im Dom einen dauerhaften Platz bekommen soll. Diese Ikone habe eine wichtige Botschaft: in der Mitte stehe Jesus Christus, der den Vorsitz im Konzil habe. Auch beim II. Vatikanischen Konzil sei das Evangeliar inthronisiert worden, um zu zeigen, dass es gelte, auf ihn zu schauen. Die wichtigste Einsicht vom Konzil von Nizäa sei, dass man an der Gottessohnschaft Jesu Christi festhalte. Ebenso sei das Credo trinitarisch strukturiert und sei erster und zentraler Glaubensinhalt. Durch die Erwartung der Auferstehung von den Toten sei auch eine Zielperspektive der menschlichen Existenz vorhanden.
Befunde aus der KMU-Studie
Sebastian Graef von der Fachstelle Kirche und Gesellschaft stellte im Anschluss die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung vor. Diese Studie sei erstmals unter aktiver Beteiligung der katholischen Kirche durchgeführt worden und habe die Religiosität in Deutschland umfassend untersucht. Ein zentrales Ergebnis der Studie sei, dass viele Kirchenmitglieder zwar regelmäßig Gottesdienste besuchten, sich jedoch nicht als religiös bezeichneten. Die Religiosität nehme von Generation zu Generation ab, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei ein Rückgang zu verzeichnen. Auch soziale Randgruppen würden zunehmend nicht mehr erreicht, was die Gefahr mit sich bringe, dass die Kirche zu einem „elitäreren Club“ werde. Besonders alarmierend sei, dass 75 % der Katholiken einen Kirchenaustritt nicht mehr ausschließen würden. Graef betonte, dass viele Menschen die Kirche vor allem als sozialen Dienstleister sehen, was jedoch zu einem Mangel an Glaubensverständnis führe. Die Studie hob zudem hervor, dass das ehrenamtliche Engagement eine bedeutende Rolle für die kirchliche Arbeit spielt, da es hier zu den größten positiven Auswirkungen komme. Ein weiterer Befund war, dass nur ein kleiner Teil der Katholiken den Gottesdienst als wichtig empfinde, weshalb auch die Frage nach dem Verständnis von Katholizismus und Eucharistie gestellt werden müsse. Auch das Thema Kirchenmusik und die Bedeutung der Ästhetik in Gottesdiensten spielten eine große Rolle, während Unterschiede zwischen den Konfessionen kaum wahrgenommen wurden. Gleichzeitig sei die Kirche für die Demokratie von großer Bedeutung.
Folgerungen für das Bistum Regensburg
Diakon Peter Nickl, Referent für die Pastorale Entwicklung 2034 im Bistum Regensburg, zog aus der KMU-Studie weitreichende Schlussfolgerungen. Der demografische Wandel, der mit einer abnehmenden Zahl von Katholiken und einem Rückgang der Taufraten einhergehe, führe auch zu einem Rückgang der Zahl von Priestern, Diakonen und anderen pastoralen Mitarbeitern. Die Kirchensteuer werde ebenfalls voraussichtlich sinken. Nickl betonte jedoch, dass die strukturellen Auswirkungen dieser Entwicklungen mit verschiedenen Maßnahmen bearbeitet worden seien. Ein noch wichtigerer Aspekt sei jedoch die Notwendigkeit einer besseren Sprachfähigkeit in Bezug auf den Glauben. Da Jesus Christus und die Heilige Schrift in der Gesellschaft zunehmend an Relevanz verlieren würden, müsse die kirchliche Botschaft in einer Sprache formuliert werden, die auch die heutigen Menschen erreicht. In diesem Zusammenhang sei auch die digitale Kommunikation von großer Bedeutung, ohne dabei die traditionell Verbundenen zu vernachlässigen. Nickl regte an, „Glaubens-Erlebnisräume“ zu schaffen, die durch ein niederschwelliges Angebot auch jene Menschen ansprechen könnten, die von der Kirche eher distanziert seien, insbesondere in schwierigen Lebenssituationen oder bei Gesprächsangeboten. Interessant sei auch, dass 4 % der Konfessionslosen sich als religiös bezeichneten. Besonders in „Zeitenwenden“ wie dem Schulbeginn sei die Bereitschaft zur religiösen Ansprache hoch. Junge Menschen wollten sich aktiv in die Kirche einbringen, und es gebe bereits zahlreiche ermutigende Beispiele. Zudem sei die Vorbereitung auf die Sakramente von großer Bedeutung für die religiöse Sozialisation und müsse durch Angebote für die Zeit nach der Sakramentenvorbereitung ergänzt werden. Nickl hob auch hervor, dass Gottesdienste einen integralen Bestandteil der christlichen DNA ausmachten und betonte, dass die Kirche bei Kasualien nicht von freien Anbietern überflügelt werden dürfe. Weiterhin sei eine Weiterentwicklung der Gottesdienstordnungen erforderlich.
Die Mitglieder des Diözesanpastoralrats bedankten sich für die offene und ehrliche Situationsanalyse und äußerten den Wunsch, vermehrt Firmungen an Wochenenden durchzuführen, um mehr Menschen die Teilnahme zu ermöglichen.
Erste Erfahrungen mit dem überarbeiteten PGR-Statut
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde das überarbeitete Statut für die Pfarrgemeinderäte vorgestellt. Auch wurden erste Erfahrungen damit ausgetauscht und diskutiert. Ein weiterer Punkt der Sitzung war die Wahl eines Vertreters des Diözesanpastoralrats für das Synodenteam des Bistums. Noah Walczuch, Vertreter des Diözesankomitees im Synodenteam, berichtete über die Weltbischofssynode 2021–2024 und die nun begonnene Umsetzungsphase. Das Synodenteam hat die Aufgabe, die Menschen zu ermutigen, sich aktiv in den synodalen Prozess einzubringen und Synodalität in Pfarreien, Verbänden und Gruppen sichtbar zu machen.
Die Herbstvollversammlung des Diözesanpastoralrats bot eine gute Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen der Kirchenmitgliedschaft sowie notwendige Anpassungen in der pastoralpraktischen Arbeit zu besprechen und zu reflektieren. Angesichts der Veränderungen in der Gesellschaft und der Kirche müssen weiterhin neue Wege gefunden werden, um die Menschen im Glauben zu erreichen und sie in ihrem kirchlichen Leben zu begleiten.
Text und Fotos: Manfred Fürnrohr

