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Die aktuelle Ausgabe von Gemeinde creativ zieht Bilanz nach vier Jahren Pfarrgemeinderatsarbeit. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen aus den Pfarreien, Veränderungen im Ehrenamt und Perspektiven für die kommende Wahlperiode. Lesen Sie dazu mehr in der neuen Ausgabe von Gemeinde creativ unter www.gemeinde-creativ.de.
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Diese Binsenweisheit gilt nicht nur für Parlamente, sondern auch für Pfarrgemeinderäte. Wobei sich der Andrang an Kandidatinnen und Kandidaten hier in überschaubaren Grenzen hält. Immerhin winkt kein Ministergehalt, sondern höchstens der Trost, dass man „die Kirche im Dorf“ tatsächlich lebendig halten kann.
Zeit nach Corona
Die Amtsperiode 2022–2026 war von Anfang an besonders. Corona steckte uns noch in den Knochen, manche verabschiedeten sich ins „kirchliche Homeoffice auf unbestimmte Zeit“. Andere stürzten sich frisch ins Abenteuer – mit der Naivität, die es wohl braucht, um sich zwischen Bauausschuss und Beerdigungsdienst nicht gleich entmutigen zu lassen. Denn eines zeigte sich schnell: Pfarrgemeinderatsarbeit ist kein Wellnessprogramm, sondern ein Ort, an dem Verantwortung konkret wird – manchmal mit Applaus, manchmal mit Kritik.
In den vergangenen vier Jahren wurde deutlich, dass sich das Ehrenamt verändert. Weg vom „lebenslangen Dienst“, hin zu projektbezogenem Engagement. Viele wollen gestalten, nicht nur abnicken. Die Stunde der Laien, sagen manche – auch wenn die Uhr oft etwas nachgeht. Denn in Wahrheit sind Pfarrgemeinderäte längst Orte, an denen Synodalität vor Ort eingeübt wird: zuhören, streiten, lachen, manchmal sogar beschließen. Und ja: Auch künstliche Intelligenz hat inzwischen ihren Platz – für Sitzungsprotokolle und Pfarrfestankündigungen. Doch die besten Ideen entstehen weiterhin im echten Gespräch. Wer schon einmal erlebt hat, wie eine KI eine Laudatio formuliert, weiß: Menschlicher Witz ist schwer zu ersetzen.
Weitere Voraussetzungen
Die Herausforderungen blieben nicht aus: weniger Mitglieder, weniger Mittel, weniger Gewissheiten. Aber es gab auch neue Erfahrungen: Briefwahl statt Wahlsonntag, Frauen und Männer, die selbstverständlich Verantwortung übernehmen, Jugendliche, die plötzlich den Vorsitz eines Seelsorgebereichsrats innehaben. In manchen Gemeinden wurden Kirchenräume umgebaut und neue Formen der Liturgie erprobt. Anderswo war schon die Aufstellung einer Kandidatenliste ein Kraftakt.
Trotz aller Mühen lohnt der Blick zurück: Pfarrgemeinderäte haben Gemeinden durch unsichere Zeiten getragen, haben Brücken gebaut und Verantwortung übernommen. Wer dabei war, weiß: Es war nicht immer bequem, manchmal sogar nervig – aber ohne sie sähe Kirche vor Ort ziemlich alt aus. Und wer sich jetzt fragt, ob er oder sie 2026 kandidieren sollte: Denken Sie daran, auch Sitzungen können spirituell eine Bereicherung darstellen.
Über die Zeitschrift Gemeinde creativ:
Gemeinde creativ ist eine Zeitschrift des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und erscheint sechsmal jährlich. Das Magazin für engagierte Katholiken richtet sich vorwiegend an die Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden, an die Räte und Verbände, und an alle, die an einer lebendigen Kirche Interesse haben und sich dafür einsetzen. Bei Interesse an einem kostenfreien Printabonnement wenden Sie sich gerne an gemeinde-creativ@landeskomitee.de. Auf der Homepage www.gemeinde-creativ.de können alle Beiträge aus dem Magazin kostenfrei und ohne Registrierung gelesen werden. Es lohnt sich, regelmäßig dort vorbeizuschauen.
Dr. Hannes Bräutigam
Redaktionsleiter

